30 Stunden schonende Trocknung bei 25 bis 45 Grad, ausschließlich bester Hartweizengrieß: Das ist mehr als ein Qualitätsversprechen. Es ist die Erfolgsgarantie, mit der die Pfalznudel GmbH seit mehr als 35 Jahren den deutschen und europäischen Markt mit formstabilen, köstlichen Feinkostnudeln in allen Formen beherrscht. Im Regal mit den Matrizen, den Pressformen für die Nudeln, finden sich die Logos namhafter Unternehmen aus der halben Welt.
„Das machen nur wir“, sagt die Seniorchefin des Unternehmens Gerlinde Thelen und fasst damit in einem Satz zusammen, wie einzigartig die Produkte der Südpfälzer Firma sind. Die Tochter und Juniorchefin Doktor Corinna Schreieck ergänzt: „Bis heute sind wir alleiniger Marktführer in der Produktion von Formnudeln in dieser Qualität.“
Zwei Jahre Tüfteln bis zur perfekten Formnudel
1990 erfand Heinz Thelen, der Ehemann der Firmeninhaberin, die erste Formnudel. „Das war zu einer Zeit, als die Nudel per Gesetz nur in Gelb und ohne Einfärbung zugelassen war“, erklärt Schreieck. Es war nicht nur ein Bruch mit Konventionen, sondern eine Innovation. „Die Nudel verliert beim Trockenvorgang stark an Gewicht und Größe. Wird sie gekocht und quillt dabei wieder auf, sollte sie dieselbe Form behalten. Das ist kein leichtes Unterfangen“, erklärt Schreieck. Der Marktreife gingen zwei Jahre Tüftelei voraus, dann überstand die erste Formnudel diesen Vorgang unbeschadet. Die erste Form, der sich das Unternehmen Pfalznudel verschrieben hatte, war – wie könnte es anders sein im beschaulichen, ins Rebenmeer eingebettete, südpfälzer Großfischlingen – eine Nudel in Traubenform. Die Idee dahinter war eine neue Vermarktungsstrategie, die die Firmeninhaber den ortsansässigen Winzern schmackhaft machten: „Verkauft Eure Weine mit der passenden Nudel.“ Was zuerst auf Skepsis stieß, wurde schnell zum Kassenschlager.

Jeder Nudelform geht eine von Hand gezeichnete Skizze voraus
Nachdem der erste Schritt zum Bruch mit den Konventionen in der Nudelherstellung gegangen war, folgten bald andere Nudelformen. Wer heute den gemütlichen Laden direkt an der Produktionsstätte in Großfischlingen betritt, findet Nudeln in allen erdenklichen Formen und Farben: Fahrräder, Wohnmobile, Marathonläufer, Hunde, Einhörner, Totenköpfe und zwei der Juniorchefin besonders wichtige Formen: Rollstuhlnudeln und Notennudeln. Erstere ist eine Nudel zu Ehren des Kampfgeistes ihrer Mutter. „Letztes Jahr ist sie schwer erkrankt. Uns wurden keine großen Hoffnungen gemacht. Aber sie hat gekämpft, wie sie es immer getan hat“, erzählt die Tochter stolz. Sie bleibt auf den Rollstuhl angewiesen – aber Seniorchefin Thelen lächelt glücklich über die Möglichkeit der Mobilität durch ihn. „Wir waren beide so froh darüber. Also war klar, ich mach eine Nudel draus.“ Keine zwei Wochen später stand sie im Ladenregal: Die Rollstuhlnudel. Wie alle Nudeln, ist der erste Entwurf auf Papier entstanden. Gezeichnet von Dr. Corinna Schreieck persönlich, wie jede der anderen unzähligen Formen auch. „Das ist der erste Schritt zu jeder neuen Nudelform: Ein Blatt Papier, mein Spezialstift und Ruhe“, lächelt die Nudelkönigin aus der Südpfalz. Dem Entwurf auf Papier folgt die Übertragung ins CAD Programm als Vorlage für die rund elf Kilogramm schwere Matrize aus Messing.

Zwei Leidenschaften: Musik und Nudeln
Viele der zuerst produzierten Nudelformen entstanden, weil irgendwo ein persönlicher Bezug bestand – so wie heute zum Rollstuhl. Die Notennudel beispielsweise ist ebenfalls so eine: Schreiecks große Leidenschaft und ihr zweiter Beruf ist die Musik. Als promovierte Musikwissenschaftlerin und ausgebildete Chorleiterin leitet sie bis heute große Laien-Chöre in Mannheim und Heidlberg. „Musik und Nudeln ist eine perfekte Verbindung“, schmunzelt sie über die Nachfrage, wie zwei solche zeitintensiven Passionen sich verbinden. „Für beides braucht es eine Menge Kreativität und „um-die-Ecke“-Denken. Außerdem passen Chorleitung und Unternehmensführung perfekt zusammen. Bei beidem braucht es Empathie, Durchsetzungsvermögen und die Fähigkeit zuzuhören gleichermaßen“, ist Schreieck überzeugt. Das macht sich bemerkbar: Die Atmosphäre zwischen den Geschäftsführerinnen und ihren Mitarbeiterinnen ist herzlich, fast schon familiär. Viele sind schon seit mehr als zwei Jahrzehnten im Unternehmen.
Vom Geflügelhof zum Global Player
Besonders Mitarbeiterin Anja Kuczmanska begleitet das Unternehmen bereits seit so vielen Jahren, dass sie selbst ein Stück Unternehmensgeschichte schreiben kann. Nur die Ursprünge als Geflügelbetrieb mit Eiernudeln als zweites Standbein hat sie nicht mehr mitbekommen. „Vor rund 40 Jahren hatten wir noch 7.000 Hennen“, erzählt Gerlinde Thelen. „Einen Teil der Eier haben wir direkt am Hof zu Eiernudeln verarbeitet.“

Der Wandel, weg von der Eiernudel, nahm Fahrt auf, als die ersten Formnudeln produziert wurden. Für die größtmögliche Stabilität bei perfektem Geschmack erwies sich der Durum Hartweizengrieß in der Qualität SSSE als optimaler Grundrohstoff für die Pasta made in Großfischlingen. „Nudeln aus Hartweizengrieß brauchten noch nie Eier. Außer auf dem Deutschen Markt gab es ohnehin nirgends Nudeln mit Ei“, erzählt Schreieck. „In Deutschland wurden Nudeln ursprünglich aus Mehl hergestellt. Ein Rohstoff, der hier zur Verfügung stand. Bei der Produktion mit Mehl waren Eier als Bindemittel für den Teig notwendig. Wir haben aber schon immer die bessere Weizenvariante, also den Durum-SSSE-Hartweizengrieß, verwendet. Da dieser von Natur aus ausreichend Kleberprotein enthält, wird kein Ei benötigt“, so Schreieck weiter. „Anfangs haben wir trotzdem mit Ei produziert, weil der deutsche Markt das so erwartet hat.“
In Italien sei für die Nudelproduktion schon immer Hartweizengrieß verwendet worden. Ein Rohstoff, der dort verfügbar war. Eier wurden hier nie benötigt. „Was man nicht brauchte, hat man früher nicht in ein Produkt gepackt. So entstanden zwei Traditionen der Nudelproduktion. Die Variante ohne Ei hat sich viel weiter verbreitet – fast auf der ganzen Welt. Und da sich unser Markt, auch durch die Sonderanfertigungen, stark internationalisiert hat, produzieren wir nur noch sehr wenige Nudeln mit Ei.“
Wo Steinpilz draufsteht ist auch Steinpilz drin
„Heute gibt es kaum noch jemanden, der nach einer Nudel mit Ei fragt“, sagt Schreieck. „Der Markt hat sich hier kolossal gewandelt. Durch bewusstere Ernährungsformen liegt ohnehin mehr Fokus auf den Inhaltsstoffen der Lebensmittel. Wir können mit unseren Produkten punkten: Sie sind von Natur aus vegan, weil eine Nudel aus Hartweizengrieß eben schon immer ohne tierische Produkte auskommt, und obendrein verwenden wir für Farbe und Geschmack ausschließlich natürliche Produkte.“ Die Farbe stammt beispielsweise aus Roter Bete oder Spinat. Der Geschmack nach Trüffel oder Steinpilzen aus echten Trüffeln oder Steinpilzen. „Damit bedienen wir den Feinkostmarkt“, erzählt die Seniorchefin. Rechtliche Vorgaben für den Anteil an Inhaltsstoffen gibt es nicht. „Das bedeutet, dass auf dem Markt oft Produkte zu finden sind, die während der Produktion quasi einmal am Steinpilz vorbeigetragen wurden,“ lacht Schreieck und übertreibt bewusst, um deutlich zu machen, welche Probleme eine solche nicht festgelegte Mindestmenge verursacht. „In unseren Produkten ist wirklich das geschmacksgebend, was der Nudel ihren Namen gibt: So arbeiten wir beispielsweise in den Teig unserer Steinpilznudeln reines Steinpilzpuder ein in einem recht hohen Prozentsatz.“
Die Pfalznudel mischt den Werbemittelmarkt auf
Der Hauptumsatz entfällt mittlerweile allerdings nicht mehr auf die in der Produktion kostspieligen Feinkostnudeln, sie machen rund 30 Prozent des jährlichen Umsatzes aus. Weit größer ist mittlerweile der Anteil an Werbemittelproduktionen. „Durch unsere Spezialisierung auf Formnudeln war der Schritt in die Werbemittelbranche fast schon logisch“, sagt Gerlinde Thelen. Hans Grohe war der erste, der auf die Idee kam, eine eigene Nudel wäre das perfekte Give away für Kunden und Mitarbeitende. Er bestellte seine Erfindung, den Einhebelmischer, in Nudelform. „Für uns war Hans Grohe derjenige, der uns auf die Idee gebracht hat, dass wir mit der Erstellung von Nudeln in Firmenlogoform oder Produktformen wie beispielsweise Gabelstapler und andere, einen neuen Geschäftsbereich entwickeln können“, sagt Schreieck. Kurz um: Die Pfalznudel begann den Werbemittelmarkt aufzumischen. Mittlerweile gehen rund 60 Prozent der Umsätze darauf zurück. „Für uns ist das perfekt. Wir haben unsere Produktion damit auf eine sehr breite Basis gestellt – von Feinkost über Werbemittel zu den Privatkunden decken wir damit alles ab.“

Pfalznudeln landen weltweit auf dem Teller
Mit rund 20 Mitarbeitenden an zwei Standorten produziert das Unternehmen Pfalznudeln mittlerweile für den gesamten europäischen Markt, für China und Japan. Ein Unternehmen, das mit Erfindergeist, der Bereitschaft mit Konventionen zu brechen, einer weiblichen Führung auf Augenhöhe und daraus resultierend einer hohen Beständigkeit der Fachkräfte im Betrieb sein ganzes Potenzial ausschöpfen konnte. Das brachte ihnen unter anderem die Titel „Weltmarktführer“, „Best Family“, „Best of German Mittelstand“ und zuletzt die Auszeichnung als „Hidden Champion“ durch die Technologie Region Karlsruhe ein.
Um diese Auszeichnungen hätten sie sich nie beworben, erzählen die beiden Damen, aber sie seien mächtig stolz darauf sie erhalten zu haben. „Wir sind nicht gezwungen, schnell, billig und möglichst viel zu produzieren. Wollen wir auch gar nicht“, sind sich Thelen und Schreieck einig. Genau diese Qualitätsansprüche gepaart mit ihrer Passion für echtes Handwerk, haben das Unternehmen zu einem weltweiten Marktführer und Unikat ihrer Branche gemacht. (mit)